Die Geschichte der Grund- und Oberschule "Ernst Legal" reicht bis in das späte Mittelalter zurück. Bereits 1533 besaß die Stadt entsprechend der Schulreform Melanchthons eine Lateinschule. Im Dreißigjährigen Krieg (1631) brannte das Schulgebäude ab und die Errichtung einer neuen Schule erwies sich in der damaligen Notzeit als schwierig.
- 1820 erfolgte dann der Bau der Stadtschule an der östlichen Seite der Martinskirche. Bis zum Dezember 1931 führte der Schulweg der Schliebener Mädchen und Jungen zu diesem Gebäude.
- 1930 einigten sich die Schliebener "Stadtväter", eine neue moderne Schule in der Bahnhofsstraße zu bauen. Der Hallenser Architekt Bruno Föhre wird mit dem Schulprojekt betraut. Am 22. September 1930 erfolgte unter großer Anteilnahme der Schliebener und Bergaer Öffentlichkeit die Grundsteinlegung.
- 1951 erhielt die Schliebener Schule den Namen "Ernst Legal". Damit ehrte die Stadt den bekannten Theater- und Filmschauspieler, den Intendanten Ernst Legal, der am 2. Mai 1881 in Schlieben geboren wurde.
- Steigende Schülerzahlen und das Hinzukommen der Klassenstufen 9 und 10 erforderten die Erweiterung des Schulhauses um zwei Gebäude, die 1962 und 1974 errichtet wurden.
Unser Namensgeber
Unsere Schule erhielt überraschend zwei Schriftstücke aus dem Jahr 1952 geschenkt, die handschriftlich von Ernst Legal unterschrieben sind.
Damals war Ernst Legal als Intendant an der Deutschen Staatsoper in Berlin tätig.
Wie fanden nun die Blätter den Weg nach Schlieben?
Durch ein Telefongespräch mit Herrn und Frau Rieche aus Berlin erfuhr ich folgende Einzelheiten:
„ Eine Bekannte von uns hat Schriftstücke eines Nachlasses geordnet und fragte uns, was man denn mit den Aufzeichnungen machen könnte. Wir sahen im Internet nach und stießen im Zusammenhang mit dem Namen Ernst Legal auf die Schule in Schlieben. Wir setzten uns mit Herrn Haase in Verbindung und sind nun froh, dass die drei Seiten die Schuldokumentation über Ernst Legal bereichern werden.“
Text/Fotos: G. Bahre
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geb. 2. Mai 1881 in Schlieben (damals Provinz Sachsen)
gest. 29. Juni 1955 in Berlin-Zehlendorf
Bei den überlassenen Schriftstücken befindet sich sein Lebenslauf, den Ernst Legal Ende des Jahres 1952 selbst aufgeschrieben hat. Daraus zitieren wir in gekürzter Form:
| Besuch der Volksschule in Schlieben | |
| Besuch des Gymnasiums in Breslau und Schulpforta | |
| „Mit 12 Jahren wusste ich, dass ich Schauspieler werden musste.“ | |
| 1898-1901 |
Buchhändler in Leipzig Abends trat ich regelmäßig als Statist an den dortigen Stadttheatern auf. Von meiner Familie wurde das nicht gern gesehen. |
| 1901-1902 |
besuchte ich die Großherzogliche Musik- und Theaterschule in Weimar. Ich spiele meine ersten Rollen am damaligen Hoftheater. |
| 1902-1906 |
war ich in vielen Orten als Theater-Schauspieler tätig (Döbeln, Bautzen, Alfeld, Ruhla, Bochum mit 13 Abstecherstädten, Alzey, Wildungen und zwei Winter in Bonn). |
| 1906-1911 |
Raphael Löwenfeld engagierte mich für das Schillertheater in Berlin. Dort spielte ich zum Beispiel den Spiegelberg in den „Räubern“ und weitere bedeutende Rollen. In den Sommermonaten trat ich als Mitglied eines modernen Ensembles in Hamburg, Hannover, Leipzig und Dresden in vielen bedeutenden Rollen auf. |
| 1911-1912 | arbeitete ich am Hoftheater in Weimar. |
| 1912-1920 |
war ich am Hoftheater in Wiesbaden tätig. Ich kam als Charakterdarsteller dorthin, wurde Regisseur, Oberregisseur und während des 1. Weltkriegs Leiter des Schauspiels und 1918 Intendant. |
| 1920 | am 1.April ging ich an das Berliner Schauspielhaus. |
| 1920-1924 |
war ich dort als Dramaturg, Regisseur und Darsteller tätig. Es waren sehr glückliche Jahre, die ich am liebsten endlos verlängert hätte. Aber mein Schicksal wollte es anders, und es begann die Periode der Theaterrettungen als Intendant. |
| 1924-1952 |
In einer pausenlosen Folge war ich damit beschäftigt, Theater verschiedener Städte aus ihren sehr ernsten und in jeder Beziehung prekären Notlagen herauszusteuern. |
| 1932 |
wurde ich, weil dem Hitler-Regime nicht ergeben, ausgebootet. Schließlich kehrte ich zum vierten Male ans Schillertheater zurück, wo ich von |
| 1938-1944 | Oberspielleiter war. |
| Ab 1945 | bewerkstelligte ich dann den Aufbau der Deutschen Staatsoper in Berlin aus einem wahren Nichts heraus und führte sie so lange, wie es mir möglich war, das Haus in einem gesamtdeutschen und überparteilichen Sinn zu verwalten. Als ich mir darüber klar wurde, dass das nicht mehr durchzuführen war, legte ich sofort alle meine Ämter nieder und schied aus.“ |
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Ernst Legal war nicht nur am Theater tätig, sondern wirkte als Schauspieler auch in unzähligen Filmen mit. Er ist der Vater der 1908 in Berlin geborenen bekannten Schauspielerin Marga Legal, die wegen ihres jüdischen Großvaters mütterlicherseits unter dem Nationalsozialismus Arbeitsverbot erhielt. Sie wurde zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen in Film und Fernsehen der DDR und war auch nach 1989 in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen. |
Geschichte im Bild
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Geschichte in Versform
Unser langjähriger Lehrer und über die Brandenburger Landesgrenzen hinaus bekannter Ortschronist Hans-Dieter Lehmann schrieb anlässlich unseres 70-jährigen Schuljubiläums im Jahre 2001 folgendes Gedicht, das die Geschichte der Schliebener Schule erzählt:
Ein Brief, in Wittenberg geschrieben,
Visitation demnächst in Schlieben.
In dieser Zeit der Reformation
kommt Doktor Luther in eigner Person.
Mit Propst und Schullehrern er spricht.
Was lernen die Schüler im Unterricht?
Ein Schulhaus gab es schon im Ort,
auch lernten einige Kinder dort.
Schreiben, Lesen, Rechnen, Singen –
christliche Lehre vor allen Dingen.
Auf dem Plan sogar Latein –
doch manches könnte besser sein.
Leider nahten schlimme Zeiten,
die Schliebens Bürgern Not bereiten.
Das Schulhaus brannte völlig ab.
Die Kirche entging diesem Schicksal knapp.
Erneut gebaut ein Schulgebäude –
nicht lange währte diese Freude.
Betroffen von dem nächsten Brand,
nur Trümmer, wo die Schule stand.
1820, vor langer Zeit,
neu wird ein Schulhaus eingeweiht.
Und für die nächsten 100 Jahr
lernte hier Schliebens Kinderschar.
Je mehr sich dann die Stadt entfaltet,
Schliebens Schule ist veraltet.
Beraten, gerechnet, abgewägt,
ein Schulneubau wird angeregt.
Weltwirtschaftskrise, das Leben hart,
am Schulbau wurde nicht gespart.
Gemeinsam mit Berga im Verein
müsste es doch zu schaffen sein.
Ein Architekt aus Halle ist bereit –
Ein Bauwerk der Neuen Sachlichkeit.
Bruno Föhre gebührt der Dank,
dass Schliebens Schule so trefflich gelang.
An Wert das neue Haus gewinnt:
Paul Jukoffs Skulptur „Mutter und Kind“.
Für Eltern und Lehrer ein Symbol,
alles zu tun für der Kinder Wohl.
Ein großer Sohn unserer kleinen Stadt
der Schule den Namen gegeben hat.
Ernst-Legal-Schule steht an der Wand,
der Künstler verdient eine Würdigung fand.
Später Erweiterung Haus II, Haus III,
sogar eine Turnhalle ist mit dabei.
Mit Eltern, Schule und Öffentlichkeit,
alle waren zum Helfen bereit.
Neuen Schwung brachte die Wende,
die Schule profitierte am Ende.
Chemie, Physik auf neuestem Stand,
Computertechnik wird angewandt.
Die Möglichkeiten sind gegeben –
Wissenserwerb für das weitere Leben.
Doch oftmals wird erst später klar,
wie unbeschwert die Schulzeit war.
Der Zukunft hat man sich verschrieben
vor 70 Jahren im Städtchen Schlieben.
Die neue Schule eingeweiht.
Ein Blick zurück in Dankbarkeit.
Die "Chefs"
Rektoren/Schulmeister/Schulleiter der Schliebener Schule
nach Informationen (unvollständig) von Herrn Hans-Dieter Lehmann, Schlieben
- 1533 - ... Laurentius Schleetz
- 1546 – 1556 Gregorius Gritzner
- 1556 - ...Leonardo Gross
- 1571 – 1580 Caspar Deutschmann
- 1581 – 1593 Daniel Krause
- 1596 – 1604 Georg Deutzschmann
- 1605 – 1611 Christian Steinbergk
- 1611 – 1613 Johann Scala
- 1614 – 1627 Thomas Schreiter
- 1629 – 1636 Caspar Gotschmann
- 1636 – 1638 Paul Köppe
- 1638 – 1640 Johannes Otto
- 1641 – 1652 Urbanus Krabler
- 1648 – 1658 Heinrich Krieg
- 1658 – 1703 Christian Eztler
- 1704 – 1718 Magister Johannes Gottlieb Pfennig
- 1718 – 1758 Magister Theophilius Kleber
- 1762 – 1809 Magister Johannes Christoph Richter
- 1809 – 1814 Daniel Christian Gotthilf Oertel
- 1815 – 1826 Christian Heinrich Friedel
- 1826 – 1832 Johann August Ferdinant Müller
- 1833 – 1841 G. E. Reyher
- 1841 – 1850 Carl Julius Giegold













