Die Geschichte der Grund- und Oberschule "Ernst Legal" reicht bis in das späte Mittelalter zurück. Bereits 1533 besaß die Stadt entsprechend der Schulreform Melanchthons eine Lateinschule. Im Dreißigjährigen Krieg (1631) brannte das Schulgebäude ab und die Errichtung einer neuen Schule erwies sich in der damaligen Notzeit als schwierig.

Unser Namensgeber

Unsere Schule erhielt überraschend zwei Schriftstücke aus dem Jahr 1952 geschenkt, die handschriftlich von Ernst Legal unterschrieben sind.
Damals war Ernst Legal als Intendant an der Deutschen Staatsoper in Berlin tätig.

Wie fanden nun die Blätter den Weg nach Schlieben?
Durch ein Telefongespräch mit Herrn und Frau Rieche aus Berlin erfuhr ich folgende Einzelheiten:
„ Eine Bekannte von uns hat Schriftstücke eines Nachlasses geordnet und fragte uns, was man denn mit den Aufzeichnungen machen könnte. Wir sahen im Internet nach und stießen im Zusammenhang mit dem Namen Ernst Legal auf die Schule in Schlieben. Wir setzten uns mit Herrn Haase in Verbindung und sind nun froh, dass die drei Seiten die Schuldokumentation über Ernst Legal bereichern werden.“
Text/Fotos: G. Bahre

geb. 2. Mai 1881 in Schlieben (damals Provinz Sachsen)
gest. 29. Juni 1955 in Berlin-Zehlendorf

Bei den überlassenen Schriftstücken befindet sich sein Lebenslauf, den Ernst Legal Ende des Jahres 1952 selbst aufgeschrieben hat. Daraus zitieren wir in gekürzter Form:

  Besuch der Volksschule in Schlieben 
  Besuch des Gymnasiums in Breslau und Schulpforta 
  „Mit 12 Jahren wusste ich, dass ich Schauspieler werden musste.“ 
1898-1901   Buchhändler in Leipzig
Abends trat ich regelmäßig als Statist an den dortigen Stadttheatern auf. Von
meiner Familie wurde das nicht gern gesehen.  
1901-1902   besuchte ich die Großherzogliche Musik- und Theaterschule in Weimar.
Ich spiele meine ersten Rollen am damaligen Hoftheater. 
1902-1906   war ich in vielen Orten als Theater-Schauspieler tätig (Döbeln, Bautzen, Alfeld,
Ruhla, Bochum mit 13 Abstecherstädten, Alzey, Wildungen und zwei Winter in
Bonn). 
1906-1911   Raphael Löwenfeld engagierte mich für das Schillertheater in Berlin. Dort spielte
ich zum Beispiel den Spiegelberg in den „Räubern“ und weitere bedeutende
Rollen.
In den Sommermonaten trat ich als Mitglied eines modernen Ensembles in
Hamburg, Hannover, Leipzig und Dresden in vielen bedeutenden Rollen auf. 
1911-1912   arbeitete ich am Hoftheater in Weimar. 
1912-1920   war ich am Hoftheater in Wiesbaden tätig.
Ich kam als Charakterdarsteller dorthin, wurde Regisseur, Oberregisseur und
während des 1. Weltkriegs Leiter des Schauspiels und 1918 Intendant. 
1920  am 1.April ging ich an das Berliner Schauspielhaus. 
1920-1924   war ich dort als Dramaturg, Regisseur und Darsteller tätig.
Es waren sehr glückliche Jahre, die ich am liebsten endlos verlängert hätte.
Aber mein Schicksal wollte es anders, und es begann die Periode der
Theaterrettungen als Intendant. 
1924-1952   In einer pausenlosen Folge war ich damit beschäftigt, Theater verschiedener
Städte aus ihren sehr ernsten und in jeder Beziehung prekären Notlagen
herauszusteuern. 
1932  wurde ich, weil dem Hitler-Regime nicht ergeben, ausgebootet.
Schließlich kehrte ich zum vierten Male ans Schillertheater zurück, wo ich von  
1938-1944   Oberspielleiter war. 
Ab 1945   bewerkstelligte ich dann den Aufbau der Deutschen Staatsoper in Berlin aus einem wahren Nichts heraus und führte sie so lange, wie es mir möglich war, das Haus in einem gesamtdeutschen und überparteilichen Sinn zu verwalten. Als ich mir darüber klar wurde, dass das nicht mehr durchzuführen war, legte ich sofort alle meine Ämter nieder und schied aus.“ 
  Ernst Legal war nicht nur am Theater tätig, sondern wirkte als Schauspieler auch in unzähligen Filmen mit.

Er ist der Vater der 1908 in Berlin geborenen bekannten Schauspielerin Marga Legal, die wegen ihres jüdischen Großvaters mütterlicherseits unter dem Nationalsozialismus Arbeitsverbot erhielt.
Sie wurde zu einer der beliebtesten Schauspielerinnen in Film und Fernsehen der DDR und war auch nach 1989 in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen.  

Geschichte im Bild

Geschichte in Versform

Unser langjähriger Lehrer und über die Brandenburger Landesgrenzen hinaus bekannter Ortschronist Hans-Dieter Lehmann schrieb anlässlich unseres 70-jährigen Schuljubiläums im Jahre 2001 folgendes Gedicht, das die Geschichte der Schliebener Schule erzählt:

Ein Brief, in Wittenberg geschrieben,
Visitation demnächst in Schlieben.
In dieser Zeit der Reformation
kommt Doktor Luther in eigner Person.

Mit Propst und Schullehrern er spricht.
Was lernen die Schüler im Unterricht?
Ein Schulhaus gab es schon im Ort,
auch lernten einige Kinder dort.

Schreiben, Lesen, Rechnen, Singen –
christliche Lehre vor allen Dingen.
Auf dem Plan sogar Latein –
doch manches könnte besser sein.

Leider nahten schlimme Zeiten,
die Schliebens Bürgern Not bereiten.
Das Schulhaus brannte völlig ab.
Die Kirche entging diesem Schicksal knapp.

Erneut gebaut ein Schulgebäude –
nicht lange währte diese Freude.
Betroffen von dem nächsten Brand,
nur Trümmer, wo die Schule stand.

1820, vor langer Zeit,
neu wird ein Schulhaus eingeweiht.
Und für die nächsten 100 Jahr
lernte hier Schliebens Kinderschar.

Je mehr sich dann die Stadt entfaltet,
Schliebens Schule ist veraltet.
Beraten, gerechnet, abgewägt,
ein Schulneubau wird angeregt.

Weltwirtschaftskrise, das Leben hart,
am Schulbau wurde nicht gespart.
Gemeinsam mit Berga im Verein
müsste es doch zu schaffen sein.

Ein Architekt aus Halle ist bereit –
Ein Bauwerk der Neuen Sachlichkeit.
Bruno Föhre gebührt der Dank,
dass Schliebens Schule so trefflich gelang.

An Wert das neue Haus gewinnt:
Paul Jukoffs Skulptur „Mutter und Kind“.
Für Eltern und Lehrer ein Symbol,
alles zu tun für der Kinder Wohl.

Ein großer Sohn unserer kleinen Stadt
der Schule den Namen gegeben hat.
Ernst-Legal-Schule steht an der Wand,
der Künstler verdient eine Würdigung fand.

Später Erweiterung Haus II, Haus III,
sogar eine Turnhalle ist mit dabei.
Mit Eltern, Schule und Öffentlichkeit,
alle waren zum Helfen bereit.

Neuen Schwung brachte die Wende,
die Schule profitierte am Ende.
Chemie, Physik auf neuestem Stand,
Computertechnik wird angewandt.

Die Möglichkeiten sind gegeben –
Wissenserwerb für das weitere Leben.
Doch oftmals wird erst später klar,
wie unbeschwert die Schulzeit war.

Der Zukunft hat man sich verschrieben
vor 70 Jahren im Städtchen Schlieben.
Die neue Schule eingeweiht.
Ein Blick zurück in Dankbarkeit.

Die "Chefs"

Rektoren/Schulmeister/Schulleiter der Schliebener Schule
nach Informationen (unvollständig) von Herrn Hans-Dieter Lehmann, Schlieben